Unternehmensnachfolgeberatung für Familienunternehmen | Dr. Herbert Wettig

Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen


Dr. Wettig


Diplompsychologe
Dr. Herbert Wettig
Wirtschaftspsychologe
Wirtschaftsmediator
Unternehmensnachfolgeberater
Obere Burghalde 42
D-71229 Leonberg
Telefon: +49 7152-27061
Telefax: +49 7152-22602
E-Mail: h.wettig@herbert-wettig.de
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  • 3.Alternativen,
    wenn eine Unternehmensnachfolge nicht möglich ist


Zwischen Familienunternehmern/innen und den von ihnen geführten Unternehmen und Betrieben besteht im Regelfall eine sehr enge Bindung. Oft sind die das Familienunternehmen operativ leitenden Unternehmer auch die Gründer gewesen. In diesen Fällen haben sie ihr Unternehmen aus kleinsten Anfängen aufgebaut und durch manche wirtschaftliche Krise geführt. Das macht es für solche Unternehmer besonders schmerzhaft, sich von dem Unternehmen trennen zu müssen.

Der Wunsch vieler Unternehmer und Unternehmerinnen ist es, das Familienunternehmen generationsübergreifend weiter im Eigentum der Familie zu behalten, obwohl ein familieninterner Generationswechsel aktuell nicht möglich ist, entweder weil die Familie keine eigenen Kinder hat oder diese andere Karriere- und Lebensvorstellungen haben und die Unternehmensführung nicht übernehmen wollen oder weil sie dem aktuell das Familienunternehmen führenden Unternehmer bzw. der Unternehmerin für diese Aufgabe nicht geeignet, vielleicht nicht kompetent genug oder in der Persönlichkeit nicht reif genug erscheinen. Dann muss anstelle eines familieninternen Genrerationswechsels eine andere Alternative gesucht werden. Dafür bieten sich mehrere Varianten an, die unterschiedliche Vor- und Nachteile für die übergebenden Familienunternehmer/innen haben.

  • 3.1Alternativen,bei denen
    das Familienunternehmen ganz oder teilweise im Familieneigentum bleibt

Der Wunsch der Familienunternehmer/innen ist verständlich, den Betrieb im Eigentum der Familie zu behalten, obwohl man es aus Alters-, Krankheits- oder anderen Gründen selbst nicht weiter führen kann oder möchte. In dieser Situation bieten sich mehrere Alternativen an, beispielsweise

  • 3.1.1 das Fremdmanagement, also die Führung des Unternehmens durch qualifizierte, entweder
    angestellte oder teilbeteiligte Geschäftsführer.
  • 3.1.2 die Errichtung einer Familienstiftung als generationsübergreifende Eigentümerin des
    Familienunternehmens, unter deren Kontrolle angestellte Geschäftsführer das operative
    Geschäft des Familienunternehmens leiten.
  • 3.1.3 der unternehmensinterne Verkauf eines Teils der Geschäftsanteile am Familienunternehmen
    an bewährte leitende Mitarbeiter in Form eines Management-Buy-Out (MBO) , so dass die
    leitenden Mitarbeiter das Unternehmen entweder selbständig oder unter der Kontrolle der
    Familie oder der Familienstiftung weiterführen.

Zweifellos gibt es noch andere Varianten. Nachfolgend sollen zunächst die Vor- und Nachteile am Beispiel dieser drei Varianten erläutert werden, die geeignet sind, das Eigentum an dem Familienunternehmen ganz oder zumindest mehrheitlich für künftige Generationen zu erhalten.

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  • 3.1.1Vor- und Nachteile des Fremdmanagement des Familienunternehmens
    durch Geschäftsführer mit dem Ziel,
    das Unternehmen generationsunabhängig im Familieneigentum zu behalten.

Der Vorteil des Fremdmanagements für die Familienunternehmer, die keine eigenen Kinder haben oder deren Kinder oder anderen Angehörigen nicht Nachfolger werden und das Familienunternehmen weiterführen wollen oder die dafür ungeeignet erscheinen, ist im Wesentlichen die Möglichkeit, einer zweigleisigen Strategie, nämlich das Familienunternehmen durch Geschäftsführer fortführen zu lassen und es zugleich im Eigentum der Familie zu behalten bis in den kommenden Generationen vielleicht ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin aus der Familie die Unternehmensführung übernehmen will.

Das wird auch von Professor Dr. Arist von Schlippe7, Akademischer Direktor des Lehrstuhls für Wirtschaftswissenschaften der Universität Witten/Herdecke und Leiter des Wittener Institut für Familienunternehmen bestätigt. Er sagt dazu

„Das Fremdmanagement hat sich enttabuisiert. Die meisten Patriarchen denken heute
in der Nachfolge zweigleisig. Manchmal müssen Familienunternehmer von der Lieblingsidee der Nachfolge durch ein eigenes Kind Abstand nehmen und strategisch andere Entscheidungen suchen."

Quelle7 Interview mit Prof. Dr. Arist von Schlippe, Wittener Institut für Familienunternehmen,
Universität Witten/Herdecke. Prof. Dr. Arist von Schlippe, Wittener Institut für Familienunternehmen
Tel.: 02302-926-513, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Der Nachteil des Fremdmanagements kann sein, dass der ausgewählte Geschäftsführer entweder nicht effektiv genug ist, vielleicht sogar Verluste zu verantworten hat oder in der Unternehmensführung Strategien verfolgt, die nicht mit denen des übergebenden Unternehmers und seiner Familie übereinstimmen. Angestellte Geschäftsführer denken anders als selbständige Unternehmer. So können sich Konflikte zwischen dem Geschäftsführer und der Unternehmerfamilie entwickeln. Möglicherweise verlässt ein Geschäftsführer das Familienunternehmen bald wieder. Entweder, weil wegen Konflikten mit der Unternehmerfamilie oder weil von dieser immer wieder in die operative Geschäftsführung eingegriffen und die Tätigkeit des Geschäftsführers einengt oder dominiert wird.

Die Unternehmerfamilie sollte deshalb bei der Auswahl eines Geschäftsführers besonders auf die unternehmerische Qualifikation und den Führungsstil des anzustellenden Geschäftsführers achten. Möglicherweise sollte er in Qualifikation und Führungsstil dem übergebenden Familienunternehmer ähnlich sein, aber jünger und zeitgemäßer in technologischer, innovativer und betriebswirtschaftlicher Hinsicht und im Führungsstil. Denn Eigentümer möchten bei Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Kreditgebern denkbare Irritationen durch Fremdmanagement vermeiden, ihr Ansehen erhalten und die Existenz des Familienunternehmens nicht gefährden.

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  • 3.1.2Vor- und Nachteile der Errichtung einer Familienstiftung als Eigentümerin
    und Aufsichtsgremium des Familienunternehmens mit dem Ziel,
    das Unternehmen generationsunabhängig im Familieneigentum zu behalten

Der Vorteil der Errichtung einer Familienstiftung als Eigentümerin des Familienunternehmens ist gegeben, wenn die Familie einerseits nicht mehr im Unternehmen tätig sein möchte oder kann, aber andererseits dieses für die deren Nachkommen erhalten und mit den Erträgen gemeinnützige Zwecke unterstützen möchte. Das Unternehmen wird dann im Auftrag und unter der Kontrolle der Stiftung durch angestellte Geschäftsführer geführt. Manche Unternehmerfamilien, deren Unternehmen heute marktbeherrschend sind, haben einst diese Lösung gewählt, z.B. die Bertelsmann-Stiftung, die Robert-Bosch-Stiftung, die Siemens-Stiftung und manche weniger bekannte Familienstiftungen.

Bundesverband Deutscher Stiftungen, D-10117 Berlin, Mauerstr. 93, Haus der Stiftung, Telefon: 030/897947-0
Das Portal für Stiftungen und Stiftungswesen: www.stiftungen.org


Der Nachteil der Führung eines Familienunternehmens durch eine Familienstiftung ist einerseits ein erhöhter Führungsaufwand für die Stiftung und für das Unternehmen, andererseits eine Barriere für den ausgeschiedenen Unternehmer, dass er nicht mehr direkt in die Unternehmensführung eingreifen kann. Entscheidungen eines alleinberechtigten Unternehmers können im Vergleich mit den Entscheidungsprozessen eines Gremiums oft kurzfristiger getroffen werden, können aber aufgrund subjektiver Sichtweise ebenso zu positiven wie zu bedeutsamen negativen Effekten führen. Die Entscheidungsprozesse in einem Gremium mögen manchmal für das Unternehmen von Vorteil sein.

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  • 3.1.3 Vor- und Nachteile des unternehmensinternen Verkaufs
    eines Teils der Geschäftsanteile an leitende Mitarbeiter in Form
    eines teilweisen Management-Buy-Out (MBO) mit dem Ziel, das Unternehmen
    zu kontrollieren und es mehrheitlich im Familieneigentum zu behalten

Der Vorteil dieser Lösung ist, dass der ausscheidende Unternehmer und dessen Familie einerseits einen kleineren Teil des Familienunternehmens an bewährte leitende Mitarbeiter verkaufen und damit zugleich die Unternehmensführung und einen Teil der unternehmerischen Macht den Minderheitsgesellschaftern übergeben, andererseits sich an ihrem Lebensabend von der Verantwortung für das tägliche Geschäft frei machen und zugleich den wesentlichen Teil des Familienunternehmens für spätere Generationen im Familieneigentum behalten.

Der Nachteil dieses eingeschränkten Management-Buy-Out ist jedoch, dass leitende Mitarbeiter als Mitgesellschafter einerseits Entscheidungen z. B. über die Produktpalette, Produktentwicklungen, Investitionen, Personalstrukturen, Verteilung der Gewinne, etc. erschweren und verlangsamen können, andererseits Rivalitäten und Konflikte zwischen den verschiedenen Gesellschaftern und später zwischen verschiedenen Familienlinien ausbrechen können, die unter Umständen die Existenz des
Unternehmens gefährden.

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  • 3.2 Alternativen,
    bei denen das Eigentum am Unternehmen endgültig aufgegeben wird

Der Verkauf des Familienunternehmens ist eine Alternative, an die Unternehmer und deren Familien oft nur ungern denken. Inzwischen werden aber jedes Jahr im Rahmen der Nachfolgeregelung durchschnittlich rund 30% der zu übergebenden Familienunternehmen verkauft. Die Anzahl der Familienunternehmer/innen, die ihren Betrieb verkaufen, scheint stetig zu wachsen. Die Gründe für den Verkauf eines Familienunternehmens sind verschieden, beispielsweise

  • weil die Eigentümer des Unternehmens keine Kinder oder andere Angehörige haben,
    denen sie das Unternehmen übergeben können,
  • weil die Kinder oder andere Angehörige der Familienunternehmer
    aus unterschiedlichen Gründen das Unternehmen nicht übernehmen können oder wollen,
  • weil die Eigentümer ihr Unternehmen, das zugleich Symbol ihres Lebenswerks ist,
    ungern Nachfolger/innen anvertrauen möchten, die ihnen inkompetent erscheinen.

Als Käufer eines Familienunternehmens kommen mindestens folgende vier Zielgruppen in Frage, sofern eine Prüfung der Bonität ergibt, dass sie den Kauf des Unternehmens auch wirklich finanzieren können:

  • Unternehmensinterner Verkauf des ganzen Familienunternehmens
    an bewährte leitende Mitarbeiter/innen in Form eines Management-Buy-Out (MBO),
    was die Erhaltung des Unternehmens und der Arbeitsplätze erwarten lässt,
  • Unternehmensexterner Verkauf des ganzen Familienunternehmens
    an einen branchenerfahrenen Fachmann in Form eines Management-Buy-In (MBI),
    der den Kauf eines schon florierenden Unternehmens der Gründung eines neuen vorzieht
    und – wenn er den Kauf finanzieren kann - aufgrund seiner Erfahrung und Kompetenz
    die Erhaltung des Unternehmens und der Arbeitsplätze erwarten lässt
  • Unternehmensexterner Verkauf des ganzen Familienunternehmens
    an zahlungsfähige, möglicherweise aber branchenfremde Finanzierer oder Finanzgruppen
    wie Private Equity oder Corporate Financing, die oft die Arbeitsplätze verringern,
    um das Unternehmen schlanker machen, um es auf einen Wiederverkauf vorzubereiten,
  • Unternehmensexterner Verkauf des ganzen Familienunternehmens an ein Unternehmen
    der gleichen oder einer verwandten Branche, dessen Management es entweder als Abteilung
    in das eigene Unternehmen integriert oder es nach Umstrukturierung als Tochterunternehmen
    fortführt, um die eigene Wettbewerbskraft und Wertschöpfung zu stärken.

Der Vorteil des Verkaufs des Familienunternehmens ist für die Unternehmer/innen und deren Familien meistens eine wirtschaftliche und finanzielle Erleichterung, vornehmlich wenn sie mehrere Kinder haben, so dass sie als Eltern das aus dem Verkaufspreis erzielte Vermögen - nach Rücklagen für den eigenen Lebensabend - problemloser auf die verschiedenen Kinder aufteilen und dadurch Streit zwischen den Geschwistern und daraus entstehende Familienkonflikte vermeiden können. Wichtig ist jedoch, dass durch Steuern der Ertrag aus dem Verkauf verringert wird und das nach Zahlung der Steuern verbliebene Vermögen nach ertragreicher Wiederanlage drängt.

Für die Kinder der Unternehmerfamilie diese Lösung vergleichbar mit einer vorgezogenen Erbschaft. Sie kann ihnen wie ein finanzieller Segen erscheinen, jedoch zugleich mit einem bitteren Nachteil, weil die Beträge – je nach entsprechender steuerlicher Konstruktion – möglicherweise schenkungssteuerpflichtig werden oder weil der erhöhte Mittelzufluss in dem einen Jahr zu einer erhöhten Progression der Einkommensteuer führt, so dass ein großer Teil wieder an die Finanzverwaltung abgeführt werden muss.

Der Nachteil des Verkaufs des Familienunternehmens, gleichgültig ob unternehmensintern oder -extern, ist endgültig. Er ist für den ausgeschiedenen Unternehmer einerseits seelischer Art, weil ihm durch den Verkauf seines oft jahrzehntelang geführten Familienunternehmens bewusst wird, dass er damit sein Lebenswerk endgültig aufgegeben hat. Manche Unternehmer/innen werden darüber depressiv. Andererseits empfinden verkaufende Unternehmenseigentümer gelegentlich subjektiv auch einen wirtschaftlichen Nachteil, weil nach Tilgung aufgelaufener Verbindlichkeiten und möglicherweise nach der Aufteilung des Verkaufserlöses auf Kinder und Eltern als Lohn für die eigene jahrzehntelange Tätigkeit und unternehmerische Verantwortung nur ein eingeschränktes Vermögen bleibt. Ohnehin wird der wahre Marktwert des Unternehmens oft subjektiv überschätzt, insbesondere beim Verkauf von Handwerksbetrieben und kleineren Unternehmen. Die durch Verkauf des Familienunternehmens erzielten Verkaufserlöse bleiben nicht selten weit hinter den subjektiven Erwartungen zurück.

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  • 3.3 Bittere Alternative, wenn das Familienunternehmen
    weder einen Nachfolger findet, noch verkauft werden kann

Sind alle vorstehenden Alternativen nicht möglich, dann bleibt nur noch die Aufgabe, Liquidation oder Insolvenz des Familienunternehmens. In den letzten Jahren mussten jährlich anstelle der Regelung der Nachfolge durchschnittlich 8% der Familienunternehmen aufgegeben werden. Diese Unternehmen hatten sowohl für ihre Eigentümer als auch für mögliche Käufer keine ausreichende Perspektive mehr, beispielsweise

  • weil der tradierte Markt schrumpft und das Unternehmen entwertet
  • weil das Unternehmen veraltet ist oder Investitionsstau hat
  • weil das Unternehmen ohne Innovationen zu sterben droht
  • weil das Unternehmen schlecht geführt wurde oder überschuldet ist
  • weil der Unternehmer/die Unternehmerin den Betrieb
    wegen Krankheit, Unfall oder Tod nicht mehr führen kann.

Für Nachfolger oder Käufer ist die Übernahme eines Familienunternehmen nur sinnvoll, wenn das Unternehmen in seinem Markt noch eine Zukunft hat und die Aussicht besteht, dass nachhaltig ein angemessener Jahresgewinn erwarten werden kann.


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