Unternehmensnachfolgeberatung für Familienunternehmen | Dr. Herbert Wettig

Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen


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Dr. Wettig


Diplompsychologe
Dr. Herbert Wettig
Wirtschaftspsychologe
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Unternehmensnachfolgeberater
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  • 7.Sinn im Leben des Familienunternehmers
    nach Übergabe des Betriebs an die nächste Generation

Sinn im Leben


  • 7.1Generelle Ursache, weshalb manche Unternehmer nicht loslassen können

Das Problem: Es gibt Familienunternehmer/innen, die zwar längst im Rentenalter sind, aber trotzdem die Führung ihres Unternehmens nicht loslassen können.

Die Situation: Die Nachfolger sind bestimmt, die steuerlich beste Lösung ist gefunden. Die Verträge zur Übergabe des Familienunternehmens an die nächste Generation sind von den Rechtsanwälten längst formuliert und von allen Betroffenen akzeptiert – aber vom dem, der das Familienunternehmen führt, werden die Verträge trotz aller Zusagen nicht unterschrieben. Warum zögern manche Altunternehmer, die Führung des Familienunternehmens in die Hände der nächsten Generation zu legen? Das ist den anderen Betroffenen unerklärlich und kann sowohl den Fortbestand des Unternehmens als auch den Familienfrieden stören.

Die Ursache: Die Erklärung ist dabei meist recht einfach; aber vielfach können sich die Altunternehmer diese selbst nicht eingestehen: Es ist Angst. Die Angst, nach der Betriebsübergabe an Ansehen einzubüßen, die Angst, an unternehmerischer Macht zu verlieren, vor allem aber die Angst, dass das Leben nach der Übertragung der Unternehmensführung keinen Sinn mehr haben könnte.

Die Folgen: Das Hinauszögern des Generationswechsels hat Konsequenzen. Einerseits kommt es in den Unternehmerfamilien immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Nachfolgern und ihren Vorgängern. Andererseits leiden die Unternehmen darunter. Zunehmend fehlen neue Ideen, Investitionen werden aufgeschoben, es sinkt die frühere Bereitschaft, etwas zu wagen. Irgendwann ziehen die Wettbewerber vorbei, weil sie visionärer, innovativer, investitionsbereiter sind. So verliert das Familienunternehmen immer mehr an Marktwert.

Manche Familienunternehmer haben keine Kinder oder keine, die ihnen für die unternehmerische Führung geeignet erscheinen. Für sie gibt es keine Nachfolger. Doch wenn es in der Unternehmerfamilie Nachfolger gibt, gut ausgebildet, inzwischen erfahren, reif für die Verantwortung, dann sollten Familienunternehmer die Kompetenz in der eigenen Familie auch nutzen. Denn die auf die Unternehmensführung vorbereiteten Nachfolger/innen stecken in einer Klemme.

Entweder sie warten, bis ihnen die Leitung des Familienunternehmens anvertraut wird oder sie machen eine eigene Karriere außerhalb des familieneigenen Unternehmens. Aber wer soll dann später die Führung des Familienunternehmens übernehmen? Es ist doch kaum zumutbar, dass sie dann alles wieder abbrechen, wenn sich der Altunternehmer endlich entschieden hat – oder? Für die Nachfolger ist das ein ernsthaftes Dilemma. Muss dieser Konflikt sein? Nein. Gelingt es, den Altunternehmern die Angst vor der Übergabe des Betriebes zu nehmen, ihnen zu helfen, eine altersadäquate Aufgabe zu finden, ihrem Leben für die Zeit danach einen neuen Sinn zu geben, dann ist das Problem des Generationswechsels gelöst.

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  • 7.2Erklärung der Angst, durch die Betriebsübergabe Sinn im Leben zu verlieren

Sinn im Leben zu finden ist individuell verschieden. Und zu fühlen, was dem Leben Sinn geben kann, ist darüber hinaus meistens stimmungsabhängig. Die Wissenschaft versteht unter „Angst“ die unbestimmte Furcht vor etwas Unerklärlichem, d.h. Angst hat man immer vor Situationen, deren Folgen man nicht einschätzen kann. Sobald sich die Lage erklären lässt, verliert man die Angst. Man kann sich entscheiden, ob man die Situation vermeidet oder ob man handelt, um das Problem zu lösen. Der Volksmund sagt: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“.

Die unerklärte Angst mancher Altunternehmer, dass sie durch die Übergabe der Führung des Familienunternehmens ihren Sinn im Leben verlieren könnten, wäre also leicht zu lösen, wenn sie eine neue Aufgabe hätten, die ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihren Neigungen entspricht.

Grundsätzlich haben alle Menschen ihre eigenen Vorstellungen, was ihrem Leben Sinn geben könnte. Diese Vorstellungen sind subjektiv sehr verschieden und sie sind offenbar auch von der individuellen Stimmung abhängig. Den meisten Menschen erscheint ihr Leben sinnvoller,

- wenn sie sich von anderen akzeptiert fühlen
- wenn sie ihre eigenen Ziele verfolgen können
- wenn sie ihre Wertvorstellungen von anderen bestätigt sehen
- wenn sie ihr Leben in wichtigen Fragen selbst beeinflussen können und
- wenn sie ihren eigenen Wert in der Gesellschaft als angemessen erleben können

Wenn Menschen sich dagegen ausgegrenzt, einsam, unverstanden fühlen und nur machen dürfen, was andere angeordnet haben, dann erscheint ihnen ihr Leben wenig sinnvoll, gelegentlich sogar sinnlos.

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  • 7.3Aspekte, die dem Leben Sinn geben

Über den Sinn des Lebens denken alle Menschen nach, manche mehr, manche weniger; aber wichtig ist es allen. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Vier Aspekte bestimmen zumeist, ob Menschen für sich einen Sinn im Leben finden:

- das Gefühl, eigene Ziele zu haben und diese erreichen zu können
- das Gefühl, dass ihre eigenen Wertvorstellungen allgemein akzeptiert werden
- das Gefühl, dass sie selbst ihr Leben beeinflussen können
- das Gefühl, als wertvolles Mitglied in ihrer Gesellschaft zu gelten

Im Leben eines Familienunternehmers sind alle vier Aspekte bedeutsam. Sie haben es ihm erlaubt, sich in unternehmerischen Entscheidungen zu verwirklichen und damit Anerkennung zu finden. Sobald Familienunternehmer eine neue Aufgabe erkennen, die verspricht, sie in diesen vier Aspekten zu befriedigen, können sie die Führung des Unternehmens übergeben.

Eigene Ziele: Den meisten Menschen erscheint ihr Leben sinnvoll, wenn sie sich selbst Ziele setzen können und wenn sie im Alltag das Gefühl haben, diese Ziele zu erreichen oder ihnen zumindest nahe zu kommen. Umgekehrt ist für die meisten Menschen ein Gefühl von Ziellosigkeit und fehlenden Möglichkeiten, selbst wirksam zu werden, sowie ein Mangel an Anerkennung schwer zu ertragen.

Wertvorstellungen: Den meisten Menschen erscheint ihr Leben sinnvoll, wenn sie Werte haben, an denen sie sich orientieren und ihr Leben danach gestalten können. Das können ideologische, moralische, kulturelle, religiöse, gesellschaftliche, wirtschaftliche, in jedem Fall aber ganz persönliche, selbst bestimmte Werte sein, mit denen sie ihr Verhalten vor sich selbst rechtfertigen und die ihnen das Gefühl geben, dass ihr Leben sinnvoll ist.

Selbstwirksamkeit: Den meisten Menschen erscheint ihr Leben sinnvoll, wenn sie das Gefühl haben, dass sie ihr Leben selbst im Griff haben und die wichtigen Fragen ihres Lebens selbst beeinflussen können. Wissenschaftler nennen dieses Gefühl „Selbstwirksamkeit“. Verlieren Menschen die Kontrolle über das eigene Leben, erscheint es ihnen sinnlos. Das führt oft zu Resignation und kann in einer Sinnkrise enden: Das Leben hat keinen Sinn mehr.

Selbstwertgefühl: Den meisten Menschen erscheint ihr Leben sinnvoll, wenn sie das Gefühl haben, dass sie für andere wichtig sind und ihre Fähigkeiten und Leistungen anerkannt werden. Dabei spielt die eigene Bewertung eine noch größere Rolle als die Anerkennung durch andere. Wissenschaftler nennen das „Selbstwertgefühl“. Das Selbstwertgefühl der meisten Menschen wächst, wenn sie einer gesellschaftlich anerkannten Schicht angehören. Wenn dagegen Anerkennung im Leben der Menschen fehlt, erleben sie sich im sozialen Vergleich als weniger wert, im schlimmsten Fall als wertlos.


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  • 7.4Einen neuen Sinn im Leben suchen, finden, haben

Für Menschen, für die ihr Unternehmen der Mittelpunkt ihres täglichen Lebens ist, erscheint die Zeit nach dem Generationswechsel, die Zeit nach der Betriebsübergabe, als leer. Ihnen fehlt plötzlich der Sinn im Leben. Eine neue, Sinn gebende Aufgabe würde ihnen das bieten.

Die Suche danach scheitert aber oft daran, dass viele Berater nicht mit den menschlichen Aspekten des Generationswechsels und den Erwartungen eines Familienunternehmers vertraut sind. Wirtschaftsberater, die die Regelung der Unternehmernachfolge eher aus steuerlicher oder rechtlicher Sicht bewerten und dem psychologischen Aspekt zu wenig Raum geben, sehen die Situation der Familienunternehmer ebenso einseitig wie Psychologen, die zwar die menschlichen Aspekte und deren Bedeutung für die Zufriedenheit kennen, aber keine Erfahrung mit deren Bedeutung für die wirtschaftliche Unternehmensführung haben. Ideal wäre also ein vertrauenswürdiger Gesprächspartner, der beides kennt und versteht, sowohl die Anforderungen marktstrategischer sowie betriebswirtschaftlicher Probleme als auch die psychologischen Aspekte im Selbstverständnis der Familienunternehmer.

Als praktizierender Diplom-Psychologe und als Gründer sowie langjähriger Unternehmer, der seine Nachfolge erfolgreich geregelt hat, habe ich das Wissen und die Erfahrung in beiden Aspekten gleichermaßen. Deshalb kann ich Familienunternehmer verstehen und sie bei der Regelung ihrer Nachfolge und einer erfolgreichen Übergabe des Familienunternehmens an die nächste Generation glaubwürdig unterstützen. Ich habe gemerkt, dass Altunternehmer beinahe sofort loslassen und die Führung des Betriebes ihren Nachfolgern übergeben, wenn sie eine Vorstellung haben, was nach dem Generationswechsel ihrem Leben Sinn geben wird. Es ist jedoch bedeutsam, dass sie durch ihre neuen, altersgerechten Aufgaben Ansehen, Wirkungsmöglichkeiten und Selbstwertgefühl behalten. Hindern kann sie dann nur noch eine möglicherweise fehlende Bereitschaft, in ihrem Leben etwas zu ändern, Neues zu versuchen. Ansonsten würden Familienkonflikte vermieden und das Familienunternehmen kann sich unter jüngerer Führung innovativ weiterentwickeln.


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  • 7.5Literatur zum Sinn im Leben

Terry Eagleton. The Meaning of Life, übersetzt von Michael Bischoff. Der Sinn des Lebens, 4. Auflage. Berlin: List-Verlag, 2011

Laura Kray et al. From what might have been to what must have been. Counterfactual thinking creates meaning. In: Journal of Personality and Social Psychology (JPSP). Volume 98/1. Washington, DC: American Psychological Association, 2010

Antonio Damasio. Der Spinoza-Effekt. Wie Gefühle unser Leben bestimmen. Berlin: List-Verlag, 2003

Roy F. Baumeister und Kathleen D. Vohs. The pursuit of meaningfullness in life. In: C. R. Snyder und Shane Lopez: Handbook of Positive Psychology. Oxford: University Press, 2002

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1.1 Klärende Fragen zur Unternehmensnachfolge für Familienunternehmer/innen   weiter
1.2 Klärende Fragen zur Unternehmensnachfolge für Nachfolger/innen
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2. Möglichkeiten der Regelung der Unternehmensnachfolge   weiter
3. Alternativen, wenn die Unternehmensnachfolge nicht möglich ist   weiter
8. Erfolgreiche Unternehmensnachfolgeberatung   weiter
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